monika von boch
Die Fotografin Monika von Boch (1915–1993) verbindet ein ausgeprägtes Interesse an der Natur mit der Lust am Experiment, der Faszination für Material und einer starken Neigung zur Abstraktion. Welche Rolle spielt das Licht in der Fotografie, wie kann Natur in ihren Strukturen als Bild erfasst werden und woraus setzt sich ein Bild im Kleinsten zusammen?

monika von boch

1915 wird Monika von Boch in Mettlach an der Saar geboren. Bereits als Kind interessiert sie sich für Natur. Sie zeichnet viel und beginnt im Alter von 10 Jahren Landschaften, Pflanzen und Personen zu fotografieren. Als 35-Jährige besucht sie Abendkurse in Fotografie bei Otto Steinert an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken. Insbesondere die Begegnung mit dem Künstler Kilian Breier, den sie dort kennenlernt, beeinflusst ihr fotografisches Schaffen. Bis in die frühen 1980er Jahre widmet sich Monika von Boch ausschließlich der künstlerischen Fotografie. Ein fortschreitendes Augenleiden zwingt sie, die Fotoarbeit in der Dunkelkammer aufzugeben. Bis zu ihrem Tod 1993 widmet sie sich plastischen Arbeiten in Keramik. Monika von Boch ist die einzige aus dem Saarland stammende Künstlerin, die mit zwei Fotografien im Museum of Modern Art in New York vertreten ist.

(Bild: Monika von Boch, Selbstbildnis, 1958, Silbergelatinepapier)

fotografie

Die Fotografie als Kunstform ist eine junge Kunst. In Ihren Anfängen vor ca. 200 Jahren diente sie zunächst dem Zweck eines naturgetreuen Abbildes. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts erhoben Künstler*innen den Anspruch, dass Fotografie auch Kunst sein kann.
Die Fotografie ist ein physikalisches und chemisches Verfahren, bei dem Licht in Bilder umgesetzt wird. Beim Fotografieren trifft Licht auf ein lichtempfindliches Material, das sich durch eine chemische Reaktion an den Stellen dunkel färbt, an denen es mit Licht in Kontakt kommt. Das nennt man Belichtung. Ursprünglich wurde ein lichtempfindliches Gel als dünne Schicht auf Glasplatten oder Karton gestrichen. Heute ist die lichtempfindliche Schicht auf Folie aufgebracht, die auf eine Spule aufgerollt ist – eine Filmrolle. Bei der digitalen Fotografie übernehmen Sensoren diese Aufgabe.
Beim Fotografieren mit der Fotokamera wird das Licht durch geschliffene Gläser, die so genannten Linsen, gebündelt; der Film wird belichtet. Die Belichtung ist abhängig von der Menge des Lichts und von der Lichtempfindlichkeit des Films: Je länger z.B. die Belichtungszeit ist, desto mehr Licht trifft auf den Film. Um die auf dem Film belichteten Bilder haltbar zu machen, muss der Film in einem abgedunkelten Raum, der sogenannten Dunkelkammer, entwickelt werden. Dort wird der Film in Entwicklerflüssigkeit getaucht und anschließend in einer zweiten Lösung, dem so genannten Fixierbad, fixiert. Die so entstandenen Bilder sind dauerhaft haltbar und nicht mehr veränderbar durch Licht. Sie heißen Negative, weil sie die hellen, belichteten Partien des Motivs dunkel zeigen.
Die Negative können auf Papier abgezogen werden; das nennt man Positiv-Abzug oder auch einfach Foto-Abzug. Auch die Abzüge werden auf lichtempfindlichem Fotopapier in der Dunkelkammer gefertigt. Dabei wird das Negativ unter einen Vergrößerungsapparat gelegt und das gesamte Bild oder auch nur ein ausgewählter Bereich des Negativs scharf eingestellt. Der Vergrößerungsapparat projiziert das Negativ auf ein beliebig großes Fotopapier, auch hierbei ist die Belichtungszeit von großer Bedeutung für das Bildergebnis. Wird während der Belichtung das Fotopapier bewegt oder die Einstellung des Vergrößerungsapparats verändert, entsteht Unschärfe im Bild.
Auf dem belichteten Fotopapier ist zunächst gar nichts zu sehen, es ist weiß. Erst wenn der Papierabzug in die Entwicklerflüssigkeit getaucht wird, erscheinen nach und nach die Kontraste, es ist der magische Moment der analogen Fotografie. Um diesen Vorgang zu beenden wird der Papierabzug in eine Stopper-Flüssigkeit (Wasser mit Essig) gelegt und anschließend in einem Fixierbad fixiert. Je nachdem wann die Entwicklung beendet wird ist das Bildergebnis kontrastarm (flau) oder kontrastreich.
Die künstlerischen Möglichkeiten beim Fotografieren sind deshalb so vielfältig, weil sowohl beim Aufnehmen der Bilder als auch bei der anschließenden Arbeit in der Dunkelkammer jede einzelne Entscheidung zählt. Von der Auswahl des Bildausschnitts über die gewählte Vergrößerung, die Einstellung der Schärfe bis zur Anwendung unterschiedlicher Fotopapiere und Chemikalien beeinflusst bei den einzelnen Arbeitsschritten auch immer der Faktor Zeit das Bildergebnis.

(Bild: Monika von Boch, Selbstbildnis, 1958, Silbergelatinepapier)